U+000DF
ß

ß - Eine Ligatur aus ſ, dem langen s und ʒ, dem z mit Unterschlinge. Aus dieser Kombination konnte nur etwas Scharfes entstehen. Das scharfe S. Im 14. Jahrhundert erblickte es das Licht der Welt und wurde dank des Buchdrucks, der ſʒ eine eigene Ligatur-Letter schnitt, geschärfter und bekannter. Doch ſʒ bekam Konkurrenz. In Antiquaschriften wurde das ſs mit rundem s verwendet und gewann an Bedeutung. Aber das scharfe S, heißt nicht umsonst scharfes S und machte das Rennen. Bis heute ist die genaue Beziehung zwischen ſʒ und ſs jedoch noch immer umstritten.

Als Buchstabe wird das scharfe S, na gut, auch »Eszett« genannt, in Österreich und Deutschland geschrieben. In frühneuzeitlichen Texten fand es allerdings als Abkürzung für die Währung Schilling seine schärfste Verwendung.

Dem internationalen Reiseverkehr ist das scharfe S zu scharf. Es gleiche dem bauchigen B zu sehr. Verrückt! Und so wird es auf Flugtickets durch ein Doppel-S ersetzt. In der deutschen Rechtschreibung darf es allerdings nur ersetzt werden, wenn ein Font das Satzzeichen »ß« nicht beinhaltet. Na Gott sei Dank!

Und es kommt noch besser. Seit 2008 gibt es das versale, scharfe S. Durch die Unterstützung des Typografen Andreas Stötzner erhielt es neben seinem kleinen scharfen Bruder einen eigenen Unicode U+01E9E und ist nun Teil des deutschen Alphabets. An den meisten Computern lässt es sich sogar tippen (Mac: [⌥] + [S] und Windows: [Alt Gr] + [Shift] + [ß]). Doch die Gestaltung des großen scharfen S muss hinreichend unterscheidbar und klar zu erkennen sein. Seine Form muss sich in der Proportion harmonisch an die anderen Versalien anpassen und gleichzeitig dem kleinen scharfen s ähneln. So muss das ẞ noch verschärfter sein als das ß.

Leoni Hommel