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ஓ ist der elfte Buchstabe des tamilischen Alphabets und klingt wie ein langes o.

Dieses formschöne Zeichen fiel mir ins Auge, als ich 2019 im südlichsten Zipfel Indiens, im Bundesstaat Tamil Nadu gelebt habe. Ich half dort in einem sozialen Projekt, in dem Kinder lesen und schreiben lernten aber auch in Volkstanz und Gesellschaftslehre unterrichtet wurden.

So war es möglich ihnen eine Grundbildung und eine bessere Zukunftsperspektive zu verschaffen sowie das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken.

Die Formen der Buchstaben erinnern mich ungemein an diese wertvolle Zeit. Groß und in strahlenden Farben wurden sie an die Wände gemalt. Schon von Weitem sichtbar.

Tamil wird vor allem in Tamil Nadu aber auch in Sri Lanka, Singapur und in Teilen Malaysias geschrieben und gesprochen. Die Tamilschrift ist eine Verbindung aus Alphabet und Silbenform. Die zwölf Vokalzeichen werden Seelenbuchstaben, die achtzehn Konsonanten Körperbuchstaben und die Konsonant-Vokal-Verbindungszeichen, werden Buchstaben mit Körper und Seele genannt. Insgesamt kann es 216 Konsonant-Vokal-Verbindungszeichen geben. Einen Unterschied zwischen Groß- und Kleinbuchstaben gibt es nicht.

ஓ gehört zu den sogenannten selbstständigen Vokalzeichen, die die Dehnung eines Vokals anzeigen und nur am Anfang eines Wortes vorkommen.

Die heutige tamilische Schrift entwickelte sich etwa im 7. Jahrhundert und obwohl 66,5 Millionen Menschen Tamil schreiben und sprechen, begegnen uns die Buchstaben in unserem Alltag nicht. Ein Grund mehr, dass uns nun einer von ihnen entgegen strahlt und noch von viel weiter weg sichtbar werden muss.

Leoni Hommel