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Der Begriff der „Anführungszeichen“ lässt sich zu dem lateinischen Fachwort „signum citationis“ (Zitatzeichen) aus der Druckersprache zurückführen. Öffnende sowie schließende Zeichen werden mit dieser Funktion verwendet.

Das Zitate gekennzeichnet werden, lässt sich bis in die Literaturkommentare der Antike zurückführen.

Es findet sich so schon in einer Montekassinenser Halbunzialhandschrift eines Kommentars aus dem 4. Jahrhundert des Pseudo-Ambrosius zu den Paulusbriefen, ein Doppelhaken vor jedem Zitat.

Auch in der Kommentartradition der Philologen der Bibliothek von Alexandrien wurde dieser Brauch möglicherweise ausgeübt, welche im dritten Jahrhundert vor Christus begründet wurde.

In der Aristotelesausgabe (Übersetzungen der Werke Aristoteles’ ) des Mailänder Renaissancehumanisten Francesco Filelfo, welche um 1483 erschien, werden wörtliche und sinngemäße Zitate mit schräggestellten Doppelstrichen am linken Rand jeder Zeile gekennzeichnet.

Bis dahin galten noch keine konkreten Regeln des Zeichensetztens und wörtliche Zitate wurden nach Belieben des Autors hervorgehoben oder auch nicht.

Sämtliche andere nichtwörtliche Entlehnungen kennzeichnete man am Rand des Textes.

Das Erscheinen von Filelfos Ausgabe führte ebenfalls dazu, dass sich die Anführungszeichen für wörtliche Zitate durchsetzten.

Es ist allerdings ungewiss, ob diese Art der Hervorhebung auf dem antiken und mittelalterlichen Gebrauch basierte oder es sich um eine eigenständige Weiterentwicklung handelte.

Heute verwenden wir in der Lesetypografie Anführungszeichen um direkte Rede und Zitate optisch auszuzeichnen oder Wortteile, Wörter und Satzteile hervorzuheben.

Die gängigste Regel ist hier: Die Anführungszeichen müssen vor und nach jenen ausgezeichneten Satzteilen oder Passagen stehen.

Die einfachste Regel um sich zu merken wie dies optisch aussehen muss, ist die 99 unten und die 66 oben, also zum Beispiel: „Wie oft muss ich das noch sagen!“ erwiderte sie.

Wir verwenden häufig auch die Anführungszeichen anderer Sprachen. So zum Beispiel die französischen „Guillemets“ (»…«). Da sie als etwas eleganter gelten, können sie auch in der deutschen Lesetypografie verwendet werden. In der Regel zeigen die kleinen Pfeile dann immer nach innen, können aber in französischer Schreibweise auch nach außen zeigen.

Auch die englische Schreibweise begegnet uns häufig. Die 66 und 99 der „Quotation Marks“ stehen allerdings immer oberhalb des Wortes (“…”).

Sicher ist einem schon der deutsche Begriff der „Gänsefüßchen“ begegnet. Diesen Begriff verdanken wir der Druckersprache. Dies liegt daran, dass die alte französische Form der Anführungszeichen dem Abdruck eines Gänsefußes ähnelt. Als Handzeichen mit jeweils zwei erhobenen Fingern, die gekrümmt werden, drückt das Gänsefüßchen heute außerdem Sarkasmus, Ironie oder auch Euphemismus aus.

Emily Grawitter