U+000F8
Ø

Ein eher unterschätztes Zeichen, das Ø. Es findet sich hauptsächlich in der norwegischen, faröerischen, dänischen und grönländischen Sprache wieder. Der Umfang der uns bekannten Informationen ist klein.

Ich setze meinen Fokus allerdings auf das dänische Ø.

Zusammen mit dem Æ entwickelt sich das Ø schon in der frühgotischen Periode. In dieser Periode wurden Handschriften eigentlich ausschließlich in Latein geschrieben und diese Umlaute sind dem Lateinischen in ihrer Verschriftlichung fremd. Doch finden sich Texte wieder, in welchen nordische Personen- und Ortsnamen enthalten sind, die das Œ und Ø enthalten. Diese klingen phonetisch gleich.

Neben A, E, I, O und U gilt das Ø zusammen mit Æ und Å in Dänemark als weiteres Vokalzeichen.

Das Ø, gleich klingend wie das deutsche Ö, folgt mir seit über sechs Jahren auf jedem meiner Wege. Ausgehend von elf Monaten, die ich in Dänemark als Austauschschülerin zubrachte als ich 15 Jahre alt war, und mir einen Zugang zu der dänischen Sprache verschaffte. Ein klanglich eher unästhetischer Buchstabe, wie ich finde. Als ich die Frage, was andere von seinem Klang und Aussehen halten würden, in die Runde warf, kamen lustige, alberne oder seltene Wörter zum Vorschein. Eine Person meinte , Alles klänge niedlich mit einem Ö in der Mitte, eine andere begann alle Wörter mit einem Ö aufzuzählen, die ihr einfielen.

Aber ich kann mich gut daran erinnern, wie schnell ich mich daran gewöhnte den runden, an das Durchschnittszeichen erinnernden Buchstaben als Ö auszusprechen. Und wie ich nach meiner Rückkehr Schwierigkeiten hatte, danach sämtliche Zeichen, die mich an ein Ø erinnerten auszusprechen ohne vorher darüber nachzudenken, wie dieser Buchstabe nun im dänischen geschrieben und ausgesprochen würde. Ähnlich war es mit dem Å und Æ.

Oft höre ich von Leuten, dass Dänisch den »hässlichsten« Klang der skandinavischen Sprachen besäße und klänge, als ob man eine heiße Kartoffel im Mund hätte. Vor diesen elf Monaten hatte ich nie irgendeinen Zugang zur dänischen Kultur oder der Sprache, sodass ich ins kalte Wasser gestoßen wurde, die heiße Kartoffel zerkaute, herunterschluckte und direkt damit konfrontiert wurde neue Laute und Buchstaben von mir zu geben.

Mir ist ebenfalls aufgefallen, dass das Ø nun højfiger als Trendmittel ejngesetzt wird um Wørtern, Texten oder Produkten etwas Interessantes zu verlejhen. Dass die skandinavische Lebenskultur und ihre Sprachen in gewisserwejse Trend sind, ist ja nichts Nøjes und es schejnt je mehr Æs, Ås und Øs in ejnem Begriff, dæsto besser.

Mejner Mejnung nach kann man sich ruhig erfrøjen an mehr als den 26 Buchstaben dæs døjtschen Alphabets und sich, sålange Aussprache und Grammatik nicht darunter lejden, auch mal anderær Sprachen bedienen und auf hejße Kartåffeln bejßen.

(Die in den deutschen Text eingefügten dänischen Vokale und Umlaute entsprechen der dänischen Rechtschreibung.)

Emily Grawitter