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Seit dem 2. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung bis zur Verdrängung durch das Christentum waren die Runen als Schriftzeichen der Germanen im Norden Europas, vor allem in Skandinavien verbreitet. Sie wurden als Inschriften für Grabdenkmäler, für besondere Ereignisse oder zu Besitzangaben verwendet; nie jedoch als vollständige Buchschrift.

»Rún« oder »Rūn« bedeutet Geheimnis, Zauber- oder Schriftzeichen. Die Konnotation der Runen mit dem Magischen lag an der Seltenheit derer, die sie schreiben konnten. Umso mehr Bedeutung wurde ihnen von Laien zugemessen. Heute verbergen sich hinter den eckigen Buchstaben weitreichende Deutungen und Wahrsagungen.

Das älteste »Futhark«, benannt nach den ersten sieben Buchstaben des Alphabets, enthält 24 Zeichen und ist das Bekannteste. Es ist unterteilt in drei Oktette. Zur zweiten Achterreihe, dem »Hagalaz Aett Oktett«, zählt sich »Eihwaz«. Es steht für Transformation und dem Sich-lösen von alten Strukturen. Wandel soll nicht verdrängt werden, sondern als Konstante begrüßt werden.

Die vertikale Ausrichtung von Eihwaz orientiert sich an dem Emporwachsen des Weltenbaumes, der sich in der Unterwelt verwurzelt und dessen Krone in die Oberwelt ragt. Eihwaz verkörpert dieses Spannungsfeld und zeigt uns die Abhängigkeit von zyklischen Prozessen, wie Geburt und Tod. Übersetzt ins Lateinische wird der Buchstabe mit AE, EI oder Y.

Getreu dem Credo »Gehe deinen Weg« habe ich den transformativen Charakter des Zeichens nachvollziehen wollen und habe mit Hilfe dynamischer Linien die lateinische Übersetzung als Orientierungspunkt in den Schatten Eihwaz’ gesetzt.

Carmen Draxler